Michael Hackl

 
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There is no Asifism without Rabbitism

Ich hole mir meine Inspiration vom Wechsel der Realitäten und erzeuge auf diese Weise Synergien und kann Prozesse rekontextualisieren. Ich plane je nach Art und Dimension des Projekts und Teams.  Die Projekte ähneln sich dabei hauptsächlich darin, dass ich als gänzlich Unerfahrener Teams von Professionalisten zusammenstelle und mit ihnen gemeinsam Arbeiten entwickle, die über das hinausgehen, was sie in ihrer bisherigen Laufbahn getan haben.

Eine meiner Maximen ist: „Bringe Menschen dazu dir zu helfen indem du ihnen hilfst das zu tun, was sie immer schon tun wollten.“

Besonders in den frühen Jahren hatten wir viele Projekten mit sehr minimalen Budgets, was einen viel größeren Einfluß auf den Erfolg hatte war jedoch immer, ob man die Begeisterung des Teams erwecken konnte. Gerade das ist für jemand, der von außen kommt die wirkliche Herausforderung. Als Begeisterung verstehe ich ja die intrinsische Motivation, nicht das Locken mit Geld und Erfolg. Wenn die Begeisterung anwesend ist geht es nicht mehr so sehr um planen als um die Kanalisierung der Energien des Teams.  Der Initialplan ist ein wichtiger Impuls um eine Bewegung auszulösen aber in den besten Projekten kommt der Punkt an dem Pläne wie Ballast über Bord geworfen werden um das volle Potenzial der guten Winde zu nutzen. Im ersten Schritt werden Ziele gesetzt und ein Überblicks Rahmen/plan erstellt. Der wirkliche Plan kommt aber dann erst anhand des Teams und oftmals definiert man nur Schnittstellen zu den einzelnen Playern, ein Masterplan würde die bewältigbare Komplexität übersteigen. Im optimalen Fall hab ich das Team so kuratiert, dass der Plan auf klare Schnittstellen und Deadlines reduziert werden kann. Hier entsteht dann die Magie des Alsob-Spieles. Es entsteht ein Tanz in dem die Tänzerinnen sich gegenseitig in neue Ebenen bringen. Im besten Fall kann ich mich dann auf meine Rolle des Zirkusdirektors zurückziehen. In einem guten Team ist mir ja jedes Mitglied in seinem Spezialgebiet überlegen, wie komme ich also dazu, mir anzumaßen, wie etwas umgesetzt werden soll. Das einzige, das immer aufrecht erhalten werden muss, ist das gemeinsame Ziel, die gemeinsame Vision und die offene Kommunikation über die Schnittstellen. Nur die hält das ganze im Rahmen und die Mitglieder kommunikationsfähig.

Überraschenderweise unterscheiden sich Gruppendynamisch gesehen, Spassprojekte nur marginal von großen Pharmaprojekten.

Ich arbeite in den unterschiedlichsten Szenen weil alle was anderes bieten. Um Menschen zu begeistern muss man die Leidenschaft erlernen, der direkteste Weg zu den Leidenschaften führt immer über die Frustrationen. Und um die Frustrationen nachvollziehen zu können muss man tief eintauchen, muss man sie nicht erkennen sondern erleben. Der Einstieg in eine neue Szene ist immer sehr faszinierend, alles ist neu, andere Soziolekte werden gesprochen, andere Paradigmen werden vorausgesetzt. Diesen Einstieg betrachte ich gerne als sehr kindliches Spiel.

 

Die Besonderheit an jedem Spiel ist aber, wenn es gut funktioniert, hört es immer auf Spiel zu sein. Es beginnt mit einem „Alsob“ in dem ein Setting definiert wird, das „Alsob“ ist die Eingangstüre hinein in eine Welt des Seins. Tief im Spiel vertieft spielt man keinen Ritter, man ist ein Ritter, mit seinem Denken, Fühlen und Handeln.

Diese Eingangstüre ins Sein, steht auch dem nüchtern distanzierten Erwachsenen zur Verfügung. Unzählige einstudierte Selbstkontrollmechanismen des Geistes, lassen sich durch ein „Ich tu doch nur so als ob“ austricksen, und wenn man durch die Türe des „Alsob“ getreten ist, ist man an diesen Türstehern schon vorbei. Und ist damit in der Lage sich einzulassen, die klassische Rolle des Außenbeobachters aufzugeben und damit eine klare Position einzunehmen.  Und damit natürlich Freiheit aufzugeben. Die Freiheit, die sonst immer versucht wird aufrecht zu erhalten. Als gutes Beispiel hab ich bei einer Firma beobachtet, dass persönliche Gegenstände und Aneignung des Arbeitsplatzes nicht gerne gesehen waren, weil der Arbeitsplatz soll ein Freiraum für Kreativität und Gestaltung sein. Die Kreativität als das in unmittelbarer Zukunft passierende muss zu jedem Zeitpunkt aufrechterhalten werden, die Freiheit wird zur Karotte vor dem Esel. Der Zustand der meistmöglichen Optionen muss aufrecht erhalten werden, der Freiheitserhalt setzt damit starke Restriktionen auf das Handeln.

Überleben tut jedoch der Bestangepasste, nicht derjenige, der sich das beste Umfeld erschaffen hat sich anzupassen.

Diese Strategie nenne ich den Alsobismus, englisch asifism. Die Distanz, die man sich als analytischer Mensch sucht hebt man auf die Metaebene, in dem man seinen Alsobismus an sich betrachtet. Und durch multiple paralelle Asifismen erhalte ich meinen Rabbitism, die Freiheit trotzdem hakenschlagend davonzulaufen.

 

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Michael Hackl ist Urgestein und Impulsgeber der Schmiede und Realisator der Werkschau, wie wir sie heute kennen. Schmiede würde nicht die Schmiede sein ohne Michael. Wir sind über 17 Jahre gemeinsam im Gegenspiel gewachsen, aber Michael hat auch multiple Leben ausserhalb unserer Insel der Entwicklung. 

Wenn er nicht gerade Medikamente erfindet oder Pharmakonzerne in ihrer digitalen Entwicklung optimiert, entwickelt er Historienspiele (1700) die ihren Weg bis ins Wien Museum finden und betreibt den Wiener Offspace - ADA.